TSG Bernsdorf e.V.

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Geschichte

Geschichte

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Spielstätte: Jahnstadion Bernsdorf (Rasen- und Hartplatz)

Mitglieder in der Abteilung Fußball: ca. 210
Vereinsfarben: BLAU-GELB

BERNSDORFER FUSSBALLGESCHICHTE
Germania 1. 1919 Platz an der Gasanstalt
Germania 1 - 1919
Germania 1.
oben v. l.:Kuscher, Prager, Ehser, Möhwald, Peml, Kuckwa - Mitte: Kania, Poschwitz, Bergmann
unten: Knabe, Handschag, Schade

So Begann es! Die Anfänge des Fußballsports in Bernsdorf lassen sich bis zum Jahr 1910 zurückverfolgen. Der Fußballsport wurde von Glasarbeitern, die infolge der Industriealisierung von Bayern nach Bernsdorf kamen, in unserem Ort eingeführt. Zuerst spielte man in sogenannten Straßenmannschaften miteinander. 1912 kam es in Bernsdorf zur Bildung von Fußballvereinen und somit begann der organisierte Fußballsport, das heißt, ab 1912 wurde gegen Mannschaften anderer Orte Fußball gespielt. Die Vereine spielten unter den HOHENZOLLERN und JÜNGLINGSVEREIN.

Den Namen HOHENZOLLERN hatte sich der Verein gegeben, weil die Gaststätte Nowka (heutige „Botschaft“) früher Hohenzollern hieß und der Fabrikbesitzer es so wünschte. Man sollte bei den Mitgliedern sofort die Kaisertreue erkennen. Die Spiele dieser Mannschaft wurden dann auch besonders gegen Militärmannschaften von Kamenz, die Bautzener Husaren und die Dresdener Gardereiter u. a. ausgetragen.

Der JÜNGLINGSVEREIN wurde von Pastor Boetrich gebildet. Der Pastor hatte die Interessen der Jugend erkannt und wollte damit ein Abwandern aus dem Ort verhindern. Die Mannschaft spielte gegen Mannschaften aus Schwepnitz, Radeberg, Kamenz und andere. Während eines Treffens des JÜNGLINGSVEREINS im Frühjahr 1914 kam es zu Differenzen zwischen den ihr angehörenden Fußballern und der Leitung. Das führte schließlich dazu, daß sich die Mannschaft vom JÜNGLINGSVEREIN trennte und einen eigenen Fußballverein gründetet.

Im Gründungsprotokoll wird dazu folgendes gesagt: Die Gründung wurde von den anwesenden Mitgliedern bestimmt, welche der Fußballmannschaft des evangelischen JÜNGLINGSVEREINS angehörten. Der Club erhielt den Namen FC GERMANIA BERNSDORF. Aufgenommen wurden vorläufig 22 Mitglieder. Die Begründer waren: Paul Krok, Hugo Kade, Otto Miertschink, Kurt Dreyhardt, Otto Dunko.

Wappen des FC Germania Bernsdorf
Wappen
Wappen

Germania 1. 1930 Sportplatz unbekannt
Germania 1 - 1930
Germania 1.
v. l.: Wonneberger, Langer, Bergel, R. Wonneberger, Zech., Thomas, Jarmicki, Knobel, Fr. Peml
unten: Kuscher, Tannert, Säring


Mit Beginn des 1. Weltkrieges hörten beide Vereine, HOHENZOLLERN und GERMANIA auf zu bestehen, weil ihre Mitglieder gezwungen wurden, an dem sinnlosen Völkermorden teilzunehmen. Im Jahre 1919 nahm der Fußballclub GERMANIA den Spielbetrieb wieder auf. In den darauffolgenden Jahren wurde es für die Spieler immer schwerer Sport zu treiben. Im Protokoll wird dazu gesagt, daß die Inflation das Fußballspielen fast unmöglich macht. Der Eintritt zu einem Fußballspiel kostete z. B. 1.500.00,- Mark, für die Jugend 1.000.000,- Mark. Die ersten Punktspiele fanden im Jahre 1926 statt. Unsere Bernsdorfer Fußballer spielten damals mit drei Männer- und zwei Jugendmannschaften. Dies war damals eine enorme Zahl, wenn man sich die damaligen Verhältnisse vor Augen hält. Bernsdorf spielte dabei im Bezirk Dresden.

In den folgenden Jahren wurden Spiele gegen durchaus renomierte Teams ausgetragen, u. a. gegen „Red Star Wien“, „Nord Wien“ und eine tschecheslowakische Mannschaft. In dieser Zeit wurde auch der bürgerliche Verein „Rasensport“ gebildet. Bisher wurde im heutigen August-Bebel-Park gespielt. Das Vorhandensein mehrerer Mannschaften machte den Bau eines zweiten Sportsplatzes notwendig. Dies geschah hinter dem Gaswerk (Im Volksmund wurde dieser Platz später Hundeplatz genannt, da die Sparte des Hundesports ebenfalls dort trainierte.). Auf Grund der finanziellen Verhältnisse der Mannschaften und Vereine mußte die Organisation der Punktspiele verändert werden. Von nun an spielte Bernsdorf im Sportbezirk Senftenberg.

Dabei passierte Folgendes: Bernsdorf sollte in der 2. Klasse spielen. Dagegen wurde Einspruch erhoben. Nach einem gewonnenen „Befähigungsspiels“ gegen Helias Finsterwalde spielte Bernsdorf in der 1. Klasse, der damals höchsten Klasse im Fußballbezirk Senftenberg. Wenn man bedenkt, das es zu den Auswärtsspielen erst mal 20, 30 oder noch mehr Kilometer waren, welche mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, um Fußball zu spielen. Da kann man sich erst mal die unwahrscheinliche Sportbegeisterung der damaligen Sportfreunde vorstellen.

Nach 1933 hatten es besonders die Arbeitersportvereine schwer, wurden doch die bestehenden Vereine aufgelöst und sämtliches Inventar beschlagnahmt. Die Spieler wurden überprüft und dann wurde der Spielbetrieb wieder aufgenommen. Für einige bedeutete dies aber erst mal das sportliche Aus. Die Vereine GERMANIA und RASENSPORT wurden vom Reichssportbund für Leibesübungen übernommen und zu einer Mannschaft zusammengestellt. Diese erhielt den Namen GERMANIA. Zum Anfang des Krieges wurde der Spielbetrieb noch aufrecht erhalten, kam aber zum Ende des Krieges zum Erliegen. Viele kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Auch Bernsdorfer Fußballer waren darunter.

Der schwere Anfang nach 1945
Obwohl nach dem Ende des Krieges die Ernährungs- und Wohnungsfrage das erste Problem war, gab es auch ein paar Unentwegte, die auch an den Fußball dachten. So bemühten sich besonders die Sportfreunde Kurt Wonneberger und Emil Weide den Bernsdorfer Fußball wieder aufzubauen. Bereits im August 1946 spielte man unter dem Namen GERMANIA gegen Großröhrsdorf. Im selben Jahr kam es auch zur Umbenennung. Aus GERMANIA wurde AUFBAU Bernsdorf. Die 1946 beginnenden Punktspiele wurden im heutigen August-Bebel-Park ausgetragen. 1947 kam es zu einer nochmaligen Umbenennung, man nannte sich nun BSG Chemie Bernsdorf. Zwei Jahre später schaffte man den Aufstieg in die Bezirksklasse Sachsen. In dieser Staffel blieb Bernsdorf bis zu deren Auflösung 1950. In die Kreisklasse zurückgesetzt, war es das Ziel der Anhänger und Spieler, den Aufstieg zu erreichen. 1952 war es geschafft, man spielte wieder Bezirksklasse.

Besonders zu erwähnen ist zweifellos der Umzug auf den heutigen Jahnsportplatz im Jahre 1948. Viele freiwillige Stunden wurden geleistet, um eine schmucke Arena zu schaffen u. a. holte man die Steine für die Traversen aus dem Lehmwald, dem ehemaligen „Russenlager“. Ein nicht unerwähnter Punkt ist außerdem, das bereits Anfang der fünfziger Jahre die ersten Holzmasten für das Flutlicht gestellt wurden. Wenn man bedenkt, das einige Vereine heute noch kein Licht haben um auch abends zu trainieren, war es schon damals ein kleines Wunder. Der Höhepunkt allerdings waren der Bau und die Einweihung des Sportlerheimes 1954. Damit waren die Zeiten vorbei, als man sich nach dem Spiel im Freien unter der Schwengelpumpe waschen mußte. Man hatte nämlich gleich einen Sanitärtrakt mit Duschen eingebaut. Vorher war das Gasthaus „Zur Börse“ der Treffpunkt der Sportler. Viele ältere Sportfreunde werden sich noch gerne an Emil Weide und „Mutter Kläre“ erinnern. Dort wurde so manches Bier getrunken, so manche Posse gerissen und manche Pemme verdrückt.

2. Mannschaft 1962 Chemie 2.
Germania 2 - 1962
o. l.: Miethe, Ilgner, Schütze, Dämmig, Schmaler, Scholz, Thomas, Frenzel
u. l.: Pollack, Meinhardt, Zaudtke, Sauermann, Böhme, Nischan


Nach dem Aufstieg zur Bezirksklasse war man natürlich erst mal bestrebt die Klasse zu halten. Als man sich in der Spielklasse gefestigt hatte, wollte man natürlich auch an der Spitze mitspielen. Dazu bedurfte es eines guten Kollektivgeistes. Ausdruck dafür war sicherlich auch die Verleihung des Fairnispokals des Bezirkes Cottbus im Jahre 1960. Reichte es 1954 zum 8. Platz, erkämpfte sich die Mannschaft 1962 den 2. Platz, um im gleichen Jahr zweiter im FDGB-Pokal des Bezirkes Cottbus zu werden. Ebenfalls in dieser Zeit kam Sportfreund Willi Becker nach Bernsdorf. Ein unter Fußballern bekannter Name. 1963 hatte man das große Ziel vor den Augen: Aufstiegsspiele zur Bezirkskliga.

Gespielt wurde gegen Teams aus Guben, Elster und Lübbenau. Leider reichte es nicht zum Aufstieg. Am Ende fehlte ein einziger Punkt. Doch wer erinnert sich nicht gern an die bis zu 1000 Zuschauer bei den Spielen. Trotzdem konnte man Stolz sein. Wurde doch gezeigt, daß auch in Bernsdorf guter Fußball gespielt wird. Dies wird unterstrichen durch Ergebnisse gegen Mannschaften aus der Bezirksliga: 4:3 gegen Schwarzheide, 8:0 gegen Stahl Prösen, 2:1 gegen Dynamo Cottbus und durch den 6:4 Sieg gegen Großräschen. Eine Mannschaft die immerhin in der DDR-Liga spielte.

Meister Bezirksklasse Cottbus, Staffel Mitte 1962/63
Germania 1 - 1963
Chemie 1.
h.l.: Schmaler, Benack, Wünsche E., Borrmann, Bussler, Kosel, Tenschert, Wünsche G., Glatz, Sektionsleiter Wolf
v.l.: Mönner, Kuschmitz, Janke, Storch, Dämmig, Pfützner, Christoph, Becker


An dieser Stelle soll nicht unerwähnt bleiben, daß auch die 2. Mannschaft im Kreis mitspielte. Sie ist schließlich das Sprungbrett für die 1. Mannschaft. Das in Bernsdorf gute Arbeit geleistet wurde, sieht man auch an der Tatsache, daß 1963 drei Männermannschaften zum Spielbetrieb gemeldet waren.
In den folgenden Jahren konnte man sich in der oberen Tabellenhälfte platzieren. Anfang der achtziger Jahre jedoch war es mit der Herrlichkeit vorbei. Man rutschte immer weiter ans Tabellenende. In den folgenden Jahren ging es nur noch gegen den Abstieg. 1987 war es dann zur Gewißheit geworden. Bernsdorf war aus der Bezirksklasse abgestiegen. Sicher einer der traurigsten Augenblicke, schließlich hatte man 36 Jahre in der Bezirksklasse gespielt. Danach konnte es nur eines geben: Wiederaufstieg. Doch nachdem einige Sportfreunde aus Alters- oder Gesundheitsgründen mit dem Fußballspielen aufgehört hatten, war es schwer, eine neue starke Mannschaft aufzubauen.

In diesen Jahren wurde nicht nur Fußball gespielt, sondern auch viele NAW-Stunden geleistet. So wurden 1964 das Kassiererhäuschen und 1969 der Zaun an der Nordstraße gebaut. Im Jahre 1967 jedoch begann ein Traum langsam wahr zu werden - ein eigener Rasenplatz. Ein unermüdlicher Fritz Kaiser hatte es geschafft, den Bau des Platzes in die Wege zu leiten. Nicht vergessen sollen an dieser Stelle die Sportfreunde sein, die unzählige Stunden leisteten, um dieses Kleinod entstehen zu lassen. Am 4. September 1971 war es schließlich soweit, der Rasenplatz wurde eingeweiht.

Nicht nur der Rasenplatz wurde geschaffen, sondern auch der Hartplatz wurde im Jahr 1970 neu geschottert. Dazu wurden 380 t Schotter aufgebracht und verteilt. 1973/74 konnte der Anbau an das Sportlerheim fertiggestellt werden. Damit haben sich die Umkleidebedingungen enorm verbessert. Zwei Umkleidekabinen, eine Schiedsrichterkabine und zwei Ballräume kamen dazu. Außerdem wurden noch ein Sitzungszimmer und ein kleiner Saal angebaut. Im selben Zeitraum wurde der Hartplatz nochmal nachgeschottert. 1975 stellte man neue Tore auf den Hartplatz, und ein Jahr später wurden die Holzmasten der Flutlichtanlage gegen Stahlgittermasten ausgetauscht.

1. Altliga 1972
Altliga - 1972
Altliga
o. l.: Dämmig, Nischan, Janke, Kosel, Schmaler, Koziol
u. l.: Friedrich, Storch, Schnabel, Schlacht, Hauptvogel, Hermstein


Der Neuanfang
Nach der politischen Wende erging es dem Bernsdorfer Fußball wie so vielen Vereinen. Durch Abwanderung in die Altbundesländer oder arbeitsbedingt verlor man viele Mitglieder. Allein in Bernsdorf waren es 33 eingeschriebene Mitglieder, welche den Verein verließen. Da auch die Bernsdorfer Betriebe um das Überleben kämpften, konnte von dieser Seite auch keine Unterstützung mehr kommen.

Im Wendejahr 1989/90 gelang noch ein sportlicher Erfolg, in der Kreisliga wurde der 2. Platz erreicht und man wurde Kreispokalsieger. Dies war leider das vorerst letzte gute Abschneiden im Männerbereich. 1990/91 kam es zum Zusammenschluß mit Straßgräbchen. Sicher eine Bereicherung für den Bernsdorfer Fußball. Obwohl im Kreis immer vorn mitgespielt wurde, reichte es am Ende nie. Gerade gegen vermeintlich leichte Gegner versagte die Mannschaft immer wieder. Man stellte sich damit meistens selbst ein Bein, um im Aufstiegskampf bestehen zu können.

Noch ein Wort zur 2. Mannschaft. Nach dem Zusammenschluß mit Straßgräbchen nahm sie deren Platz im Kreis Kamenz ein. Im ersten Jahr nach Mittelmaß in der 2. Kreisklasse stand man im zweiten auf einem Aufstiegsplatz zur 1. Kreisklasse. Das wurde allerdings vom Kreis Kamenz verhindert. Aus diesem Grund spielt die 2. Mannschaft seit 1993 wieder in der Stadtliga Hoyerswerda.

Der Nachwuchs
Auch der Nachwuchs soll hier nicht zu kurz kommen. Von Anfang an wurde in Bernsdorf großer Wert auf diese Altersgruppe gelegt. Schließlich ist sie die Basis für den Männerbereich. Viele Spieler haben das Fußball-ABC bei so bekannten Trainern wie Balck, Kunkel, Storch, Schlacht, Scholz Schmaler und anderen erlernt. Gedankt wurde mit guten Platzierungen. Viele Bernsdorfer Nachwuchsmannschaften spielten über Jahre hinweg in der Bezirksklasse und erreichten gute Endplatzierungen.

Jedoch erging es dem Nachwuchs nicht anders als den Männermannschaften nach der politischen Wende. Auch hier war ein merklicher Aderlaß zu verzeichnen. Besonderer Dank gilt an dieser dem Sportfreund Gottfried Wünsche. Er hat sich immer wieder für den Nachwuchs eingesetzt und großen Anteil daran, daß unsere Jugend in den letzten Jahren wieder reichlich Erfolge erzielten. (aus der Festzeitschrift zum 85-jährigen Bestehen des Bernsdorfer Fußballs - 1997)